Keiner der beiden konnte mit Bestimmtheit sagen, wann der Mauerbau angefangen hatte. Vor allem, von wem er ausgegangen war. Sie war aalglatt, glänzend und durchsichtig. Undurchlässig für Wasser. Durchlässig für Licht. Sie wuchs langsam. Über die Jahre hinweg. Beide waren sie in die Jahre gekommen, und dieses Wachstum hatten sie aus den Augen verloren. So wie sie sich selbst aus den Augen verloren hatten. Irgendwann war sie fertig, die Mauer. Und sie beide, waren fix und fertig miteinander. Keine Möglichkeit der Berührung mehr. Kein Aufeinander zugehen. Sie würden sich nie mehr an der Hand nehmen können. Sie fröstelte in ihrem kurzen Kleid. Er schwitzte in seinem langärmligen Hemd. Stille kehrte ein. Die Distanz war sichtbar geworden. Nirgendwo eine Türe, die hinein- oder hinausführte. Sie drinnen. Er draußen. Sie hätte nicht hinausgekonnt, auch wenn sie gewollt hätte. Er hätte nicht hineingekonnt, auch wenn er gewollt hätte. Sie konnten nicht miteinander aber auch nicht ohne einander. Ein kreisrundes Dilemma.